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er sie kennt, der sagt sich: Das kann
nicht sein! Niemals!
Die erklärte Computer-Gegnerin, die Kämpferin für die
analoge Lebensform hat Informatik studiert? Unmöglich!
Wir trauen der Sache nicht und probieren eine Fangfrage:
Frau Uhlmann, ist das jetzt Licht oder Schatten?
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Ich habe keine Ahnung! Wenn ich die Informatik aber genauer unter die Lupe
nehme, entdecke ich dort so ganz under cover die Spuren einer besseren
Welt.
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Under cover? Was soll das bedeuten? Ahhhh...Sie wollen den Computer
jetzt mit der Guerilla-Taktik verschwinden lassen!
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Ich will Ihnen das gerne erklären. Es ist doch schon
längst nicht mehr alles unter Kontrolle. Wenn Sie den PC öffnen, um
beispielsweise eine neue Karte einzubauen, müssen Sie sich dann
nicht vorher ERDEn, da sonst alles kaputt geht? Und haben Sie schon
mal etwas von Hex-Zahlen gehört? Offenbar hat auch noch
niemand bemerkt, dass im Computer der Zahlenvektor abgeschafft wurde. Im Speicher laufen
nämlich alle Zahlen im Kreise herum, mal vorwärts mal rückwärts, sie
tanzen! Und kennen Sie das Spiralmodell? Es hat alle anderen
hierarchischen Modelle und Systeme um Längen geschlagen! Ich habe Ihnen
ja schon mal etwas über Spiralen erzählt. Sie wissen, ich liebe
Spiralen! Wußten Sie aber schon, dass ein Programm einen Lebenszyklus hat?
Dass es in Form von Programmteilen, den Modulen, in anderen Programmen wiederverwendet
sprich wiedergeboren werden kann? Eine wunderbare Vorstellung, finden Sie
nicht? Nur das Wort Computer selbst hat der Trend der Zeit noch nicht
erfasst. In seiner frühen Verwendung in dem Wort Computistik,
nämlich der Wissenschaft der Osterrechnung, war es noch mit der Göttin Ostara
verbunden. Seit der Einführung des Wortes Computer bewegt sich nichts
mehr. Dabei wird es höchste Zeit, dass
das Wort modular, also Buchstaben-genau übersetzt wird.
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Das klingt ja sehr plausibel. Aus Computer wird dann
z.B. Kamasutra. Sehr hübsch. Wirklich sehr hübsch. (Denkpause)
(Unter Protest) Aber das ist doch nur Etikettenschwindel! Trotzdem vereinsamt die
Gesellschaft...
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(Ganz ruhig) Nein, überhaupt nicht. Haben Sie schon mal in einem Café gesessen
und dort tausend nette Leute kennengelernt? Also ich jedenfalls nicht. Das
Internet bietet ja gerade die Möglichkeit in Kontakt zu treten. Chatten
Sie doch auch mal! Oder besuchen Sie ein interessantes Forum!
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(Mit den Händen fuchtelnd) Oh nein, lieber nicht, davon geht doch erhebliche Suchtgefahr aus. Sind
Sie süchtig?
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(Sich zurücklehnend) Ich wusste, dass Sie das fragen werden... Aber überlegen Sie
doch einmal:
Millionen von Bundesbürgern schalten abends, wenn sie nach Hause kommen,
zuerst den Fernseher ein. Sie sitzen nebeneinander vor der Glotze und
nennen das 'gemütliches Zusammensein'. Das ist doch viel weniger
kommunikativ, besonders, wenn sie sich dann auch noch darüber beklagen,
dass ständig jemand dazwischen quatscht. Ich kenne Kinder, die sehen
ihren Papa abends nur zwei Stunden, müssen am Abendbrottisch schweigen,
weil dann gerade die Nachrichten laufen. Und danach sitzen sie dann weiter
vor dem Fernseher, weil immer nach Sieben das Familienprogramm läuft, was auch
immer das sein soll. Und wer bestimmt, welches Programm läuft? (Auf die
Stuhlkante rutschend) Das ist
doch alles krank! (Denkpause) Nur weil es auch Kriminelles im Internet gibt, ist es doch noch lange
kein Teufelswerk!
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(Siegesgewiss) Aber damit geht doch auch ein erheblicher Realitätsverlust einher...
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(Aus dem Fenster schauend) Sie können sicher sein, dass am anderen Ende der Leitung
echte Menschen sitzen, mit echten Gedanken, Gefühlen, Ideen, Wünschen, Hoffnungen
und Problemen. So viel, wie Sie da kennenlernen, lernt nicht einmal ein
Profi-Psychologe. (kurze Pause) Die reale Welt ist nicht auszuschalten,
nur zu abstrahieren. Ein Computer ohne Bezug zum real life ist sinnlos.
Reiner Selbstzweck. Einmal im Studium ist mir dazu auch ein kluger Satz
begegnet: 'Modularisierung ist eine Weiterabstraktion zwischen realer Welt
und den Programmeinheiten, die ein Softwaresystem realisieren.' Und das
ist es doch: Das Internet ist ein Abbild des wahren Lebens.
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(Nachdenklich) (Mit diesem Satz können wir etwas anfangen.)
(In die Augen blickend) Frau Uhlmann, wir bleiben dran! Ich bedanke mich für das Gespräch.
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Das Interview führte unsere Mitarbeiterin Ega Ueberich in:
Heft 6/2005
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