Der Etana-Mythos Weibliche Gottheit  
Eine Übergangsgeschichte aus dem Zweistromland
 
 

8. Schlussbemerkung


Darüber, ob Etana in der Urfassung sein Ziel erreicht oder nicht wurde in der Vergangenheit hauptsächlich debattiert. Mit dem Wissen, dass sich in der Entwicklung der schriftlichen Aufzeichnungen des Mythos die gesellschaftliche Entwicklung wiederspiegelt, können wir annehmen, dass dieser Teil ebenfalls eine Hinzufügung zur Urfassung ist. Eine Gesellschaft, in der Mord, Intrigen, Vorteilsnahme, Diebstahl und Sexualverbrechen an der Tagesordnung geblieben sind, bis heute. Eine Gesellschaft, in der die/der Ehrliche, Anständige immer der/die Dumme ist. Eine Gesellschaft in der Frauen einen männlichen Gott anbeten, gezwungenermaßen oder leutselig wie die Schlange es tat?

Niemand kann es sich noch leisten, die Matrifokalität für die längste Zeit der Menschheitsgeschichte zu leugnen. Gerade mal 5000 Jahre ist es her, dass sich der Übergang von Matrifokalität zu Patriarchat gewaltsam vollzog. Der Etana-Mythos ist ein wunderbares und selten unverblümtes Zeugnis dafür. Diese Phase zu untersuchen, ist daher besonders spannend. Waren es einzelne charismatische oder gar psychopathische Männer, die die Entwicklung in Gang setzten? Was hat sie dazu bewogen, auf diese Weise kriminell zu werden? Die friedliche, matrifokale Gemeinschaft aller Menschen wurde mit der Salamitaktik ausgehebelt. Die Frage stellt sich, ob sich die Entwicklung zurückschrauben lässt, wenn wir diesen Mechanismus durchschaut haben. Die Welt, die Menschheit ist sozial und ökologisch aus dem Ruder geraten. Verläuft aber die Geschichte in Spiralen oder in Sinuskurven, befinden wir uns dann noch im freien Fall, oder geht es schon wieder aufwärts? Lesen wir in den modernen Mythen, den Gesetzen, Parteiprogrammen und Regierungserklärungen. Dort, aber nur zwischen den Zeilen, finden wir die Antwort!

Quellen

1. Das Etana-Epos - Ein Mythos von der Himmelfahrt des Königs von Kish. Von Michael Kaul. Göttinger Arbeitshefte zur altorientalischen Literatur. Goettingen 2000.

2. Karakum, Geheimnisse der schwarzen Wüste. Fernsehdokumentation. Frankreich 2004.

3. Märchen aus Babylon. Mythen und Sagen des Zweistromlandes. Von Hans Wuessing. Frankfurt 1994.

4. Babylon. Stadt und Reich im Brennpunkt des Alten Orient. Von Joan Oates. Bergisch Gladbach 1983.

5. Sehnsucht nach Weltkultur: Grenzüberschreitung und Nichtung im zweiten ökumenischen Zeitalter. Dissertation von Reinhold Grether. Konstanz 1994.

6. Der Etanamythos in Finnland. Aufsatz von Haavio Martti. Helsinki 1955

7. wikipedia.org

8. Das Gilgamesch-Epos. Übersetzt von Albert Schott. Wolfram von Soden (Hrsg.). Reclam-Universal-Bibliothek, Stuttgart 1958/1988/2008

 

Bildzitate:
Inhalt, Kapitel 1, 2, 3, 4, 6, 8 aus 2.
Kapitel 7 aus 1.
Kapitel 5 aus 7.

© Gabriele Uhlmann
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