Menschsein
und Anthropologie
im Lichte der Patriarchatsforschung

female choice
- unser Menschenrecht



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„(...) Da kommen die Mädchen aus der Stadt und holen Wasser, das harmloseste Geschäft und das nötigste, das ehemals die Töchter der Könige selbst verrichteten. Wenn ich da sitze, so lebt die patriarchalische Idee so lebhaft um mich, wie sie, alle die Altväter, am Brunnen Bekanntschaft machen und freien, und wie um die Brunnen und Quellen wohltätige Geister schweben. (...)“ Dies schrieb Johann Wolfgang von Goethe seinem „Werther“ ins Tagebuch.
Wir wissen, wie die Geschichte endet: Werther wird die Angebetete seines Herzens nicht bekommen, sie heiratet einen anderen und er bringt sich um.

Es ist die Frau, die wählt. Dieser Satz, den ich in einem Zeitungsartikel gelesen hatte, war für mich schon vor über 25 Jahren eine Offenbarung. Er lieferte mir die Bestätigung für so viele flüchtige Erlebnisse, Beobachtungen und Haltungen, die mit der gesellschaftlichen Norm und meiner Erziehung nicht übereinstimmten. Welch überragende Bedeutung die Entdeckung der "wählerischen Frau" für die Menschheit hat, sollte sich erst viele Jahre später herauskristallisieren. So, wie ich damals, weiß noch heute kaum eine Frau, dass sie ein bestimmtes von Mutter Natur, der Evolution, vermachtes Wahlrecht besitzt, die female choice, wie sie in der Evolutionslehre bezeichnet wird. Der folgende Foreneintrag im Internet, mit dem die Userin "petit_fleur" Hilfe sucht, weil sie immer nach dem Sex mit ihrem Freund eine Blasenentzündung bekommt, führt dies vor Augen: "(...) Ich bin schon fast am Verzweifeln...ich kann doch nicht jedes Mal nach dem Sex ein Antibiotikum einnehmen?! Ich habe mich an alles gehalten - Wasserlassen nach dem GV, 2 Gläser trinken, keine übertriebene Intimhygiene, sogar eine Blasentee habe ich gekauft und getrunken. Wenn das jedes Mal kommt, wie soll es dann mit meinem Sexleben weitergehen? (Ganz zu schweigen von den Kosten, die das jedes Mal verursacht...) Muss ich ein Leben ohne Sex führen? Ich kann meinem Freund doch nicht zumuten, auf Sex zu verzichten. (...)" (Quelle) Diese Frau glaubt also, dass ein Mann ein Recht auf Sex hätte, womit sie tief in ein Dilemma gerät. Sie ist beileibe kein Einzelfall. Unter der Überschrift "Keine Lust mehr auf Sex – Angst vor Blasenentzündungen" schreibt die Userin "ach_pustekuchen" in einem anderen Forum: "Ich bin seit fast 3 Jahren mit meinem Freund (mein Erster) zusammen. Damals bekam ich direkt nach meinem "ersten Mal" eine heftige Blasenentzündung. Habe dann Antibiotika bekommen und dann war sie nach ein paar Tagen wieder weg. Dabei blieb es aber leider nicht. In den letzten knapp 3 Jahren habe ich immer wieder Blasenentzündungen vom Sex, teilweise jeden Monat mindestens eine. Ohne Antibiotikum gehen die auch nicht weg. Ich befolge auch alle Tipps, die man überall bekommt: nach dem Sex sofort auf die Toilette, Cranberries essen, jede Woche mindestens ein mal Blasen- und Nierentee trinken usw. Habe mich auf vor einem Jahr ca. dagegen impfen lassen. Trotzdem habe ich wieder Blasenentzündungen bekommen. Das wirkt sich mittlerweile bzw. schon seit längerem auf mein Sexleben aus. Ich habe nur noch panische Angst davor. Zumal ich es mir Arbeitstechnisch nicht mehr leisten kann, so oft krank zu sein. Ich habe keinerlei Lust mehr, denke nur daran, dass ich danach sowieso wieder ne Blasenentzündung kriege. Ich bin mit meinem Freund teilweise darauf umgestiegen, dass wir quasi Sex haben, aber ohne dass er eindringt. Dadurch geht es. Aber das ist auf Dauer auch keine Lösung und das gefährdet auf Dauer auch die Beziehung." (Quelle) Darauf antwortet "bananee": "Oh man, ich verstehe dich so gut. Ich habe auch jahrelang mit Blasenentzündungen gekämpft. War auch mit meinem ersten Freund (der hat sich beim Arzt untersuchen lassen- war alles ok) fast 5 Jahre zusammen und ich habe nach jedem Sex eine Blasenentzündung bekommen. Nachdem ich alles aus der Schulmedizin und der Homöopathie versucht habe war ich mit den Nerven am Ende und das ging auch auf die Psyche. Ich hatte täglich Schmerzen. Ich musste auch monatlich Antibiotika nehmen, da ich nur damit die Blasenentzündungen wegbekam. Ich habe kein einziges Antibiotikum vertragen und mit einer heftigen allergischen Reaktion häufig im Krankenhaus gelandet. Der Urologe konnte wie bei dir auch nichts feststellen. Wie gesagt, nach paar Jahren wurde das bei mir auch psychosomatisch, da ich ja wusste, was passiert wenn ich mit meinem Freund schlafe. Er reagierte zum Glück sehr verständnisvoll und drängte mich zu Nichts. Mittlerweile bin ich 24 und ich hatte seit fast 3,5 Jahren keine Blasenentzündung mehr. Ich bin wieder seit 3 Jahren in einer neuen Beziehung und ich habe trotz viel Sex absolut keine Beschwerden mehr. Leider kann ich dir nicht sagen, was mir geholfen hat- ich weiß es einfach nicht."
Das Internet ist voll von solchen Einträgen, und hätte irgendein Arzt, irgendeine Pharma-Firma gegen die Sex-bedingte Blasenentzündung ein zu 100% wirksames prophylaktisches Mittel, wäre das ein epochaler Meilenstein der Medizingeschichte. Mittlerweile wirken auch die Antibiotika nur noch unzureichend bei Blasenentzündung, das Problem wird immer gravierender. Offiziell geschätzt leiden 25% aller Frauen darunter, und je patriarchalischer eine Gesellschaft ist, desto größer wird diese Zahl noch. Das Leid ist unvorstellbar groß, wird aber als "Honeymoon-Zystitis" verharmlost und mit einem Schmunzeln quittiert. Wie hoch die Dunkelziffer ist, ist unbekannt, denn zahllose Frauen müssen nicht mehr zum Arzt gehen, weil sie sich dem Sex völlig verweigern.
Immer wieder berichten Frauen, dass sie mit einem neuen Partner entweder krank oder automatisch völlig gesund wurden. Offensichtlich spielt also die Wahl des Partners eine Rolle, und wie ebenfalls in den Foren nachlesbar, nicht, weil er sich nicht wäscht oder Bakterienträger ist, sondern aus "unbekannten Gründen". Wir können davon ausgehen, dass eine Urmenschenfrau, die so etwas erlebt hätte, nicht lange überlegt und den betreffenden Mann fortan gemieden hätte. Aber in unserer patriarchalischen Gesellschaft hängen die Existenz der Frau und ihr Status eng mit ihrem Sexualleben zusammen.

Immer wieder wird behauptet, der Sinn der female choice bestünde darin, dass die Frau einen starken Mann auswählen muss, der ihre Kinder am besten ernähren kann. Diese Behauptung beruht auf der falschen Annahme, dass es schon in der Altsteinzeit die Familie aus Vater, Mutter und Kind gab. Die female choice endet aber nicht mit einer Eheschließung, sondern sie bleibt der Frau lebenslang erhalten. Da ihre Kinder viele Jahre ernährt werden müssen, hätte das der falschen Annahme folgend bedeutet, dass eine Frau viele Jahre ihre female choice hätte unterdrücken müssen. In der Altsteinzeit tat sie dies jedoch nicht, sondern folgte dem lauten Ruf der Natur. Auch in der Realität des Patriarchats brechen viele Frauen aus. Die female choice ist eine mächtige Größe, die sich nicht vollständig unterdrücken lässt. Das Treuegelöbnis der Ehe wurde schon immer von beiden Partnern umgangen. Bei den Männern galten Eskapaden als Kavaliersdelikt, und man bedauerte sie dafür, wenn sie von ihrer Frau „nicht geliebt“ wurden. Frauen blieb, wie dem Werther, oft nur die heimliche, unglückliche Verliebtheit oder die heimliche Abtreibung. Im Schnitt ist dennoch jedes zehnte Kind ein Kuckuckskind, das Ergebnis der heimlich ausgeübten female choice. Die Anthropologen nennen das "Gen-Shopping".
Wir werden sehen, dass die frei gelebte female choice Bedingungen schafft, die einen Ernährer überflüssig machen. Die wahren Kriterien, die die female choice so bedeutsam machen, sind völlig andere.

Die biologische Forschung trug eine erdrückende Beweislast zusammen, nach der die female choice nicht mehr ignoriert und als "Sexuelle Selektion" oder "Mate Choice" (Partnerwahl) verschleiert werden konnte; Letzteres nicht zu verwechseln mit male choice (männliche Wahl). Die Anthropologie, die wie alle Wissenschaften stark von gesellschaftlichen Normen beeinflusst ist, musste zu dem Ergebnis kommen, dass nicht nur in der übrigen Tierwelt, sondern auch beim Menschen das weibliche Wahlrecht oberstes Naturgesetz ist. Die Reproduktion des Lebens ist die Basis der Evolution. Dennoch wurde dieses Wissen bisher nur wenig verbreitet, steckt darin doch enorme Sprengkraft, auch für die Gesellschaft, so wie wir sie heute leben. Ja, es gibt sogar viele Wissenschaftler, die dieses Wissen hartnäckig ignorieren oder leugnen.
Nehmen wir das beliebte Beispiel der Rothirsche. Als Platzhirsche, die mit ihren stolzen Geweihen eindrucksvolle, martialisch wirkende Rangkämpfe austragen, werden sie häufig als "Patriarch" oder als "Chef" bezeichnet. Aber auch der Hirsch kann sich nicht gegen den Willen der Hirschkuh mit ihr paaren und sie paart sich am Rande des Kampfplatzes auch mit anderen Hirschen. Denn ein einzelnes Männchen hat keine Handhabe, alle Weibchen gleichzeitig unter Kontrolle zu bekommen. Hirsche kümmern sich auch nicht um die Ernährung ihrer Kinder oder bestimmen über sie; das aber macht letztlich einen echten Patriarchen aus. Dennoch ist der männliche Hirsch ein zufriedenes und sogar eindrucksvolles Tier. Es wollte doch auch niemand behaupten, dass die Hirschkuh dem Hirschen Hörner aufsetzt, oder?
Beim Menschen ist die female choice durch das patriarchale System so undeutlich wie nur möglich gemacht, unter natürlichen Bedingungen ist sie aber deutlicher als bei allen anderen Tierarten. Unter der freien female choice gibt es keinen Zwang zum Sex, sondern die freie Wahl von Sex. Die female choice findet vor, während und nach dem Verkehr bewusst und unbewusst, "versteckt", statt.
Beim ersten persönlichen Kontakt analysiert eine Frau unbewusst die sog. chemotaktischen Signale eines Mannes. Hat er diese Prüfung bestanden, beginnt eine Frau sich für ihn zu interessieren, jedoch bleibt es nicht dabei. Bewusst prüft sie sein Aussehen, seinen Geruch, sein Verhalten, seine Intelligenz und seine Worte. Wird alles für passend befunden, kann seitens der Frau freiwilliger Sex stattfinden, wann, wo und wie bestimmt sie ebenfalls.
Während des Sex bewirkt die Erregung der Frau eine Veränderung der Schleimproduktion. Kommt es bei der Frau zum Orgasmus, werden die Spermien regelrecht angesaugt, und eine Schwangerschaft wird wahrscheinlicher. Gelingt es also dem Partner nicht, seine Partnerin zu erfreuen, zieht ihre sog. versteckte female choice erste Konsequenzen. Das bedeutet natürlich nicht, dass eine Frau, die keinen Orgasmus hat, nicht schwanger werden kann.
Nicht das schnellste Spermium gewinnt im Wettrennen, sondern die Spermien werden von der weiblichen Schleimhaut passiv transportiert und von ihrem sauren Milieu sogar angegriffen. Je weiter die Spermien angesaugt werden, desto kürzer ist die Einwirkzeit des sauren Schleims und desto größer sind die Überlebenschancen für die Spermien. Die überlebenden Spermien gelangen dann in die Eileiter, wo eine weitere Hürde auf sie wartet. Nicht das erste Spermium gelangt in die Eizelle, sondern dasjenige, welches sie hereinlässt. Das Spermium verschmilzt dann nicht mit dem Ei, sondern das Ei verarbeitet lediglich seine DNA, also das Gen-Molekül, das im Spermium enthalten ist. Beginnt die Eizelle sich danach zu teilen und wächst ein Embryo heran, prüft der weibliche Körper die Lebensfähigkeit des heranwachsenden Kindes und entscheidet, ob es zur Geburt kommen wird oder zu einer Fehlgeburt. Die meisten Frauen wissen gar nicht, dass sie schon viele Fehlgeburten hatten, ja es kommt aufgrund der unbewussten female choice zu mehr Fehlgeburten als zu Geburten. Nach der Geburt, bevor das Kind abgestillt wird, verhindert die female choice eine weitere Schwangerschaft.

San / Kalahari
San ("Buschleute") in der Kalahari. By Aino Tuominen [Copyrighted free use], via Wikimedia Commons

Ein möglicher Grund, warum die female choice in der Natur eine so große Rolle spielt, ist das höhere Investment, das die Weibchen bei der Fortpflanzung betreiben. Sie stellen dem Nachwuchs ihren Körper für sehr lange Zeit zur Verfügung und tragen die größte Arbeitslast. Dieser Aspekt ist leider oft der einzige, der angeführt wird und damit erscheint die female choice lediglich als eine Art Geschäft. Schon für Vögel, bei denen beide Partner an der Brutpflege beteiligt sind, greift dieses Argument nicht.
Auch beim Menschen ist die female choice keine rein persönliche Angelegenheit, vielmehr hat sie evolutionäre Tragweite:
1. Sie dient der genetischen Vielfalt und damit der Gesundheit der Population.
2. Sie bewirkt die Anpassungsfähigkeit an extreme Umweltbedingungen.
3. Sie verhindert eine Schwangerschaft in belastenden Fällen.
4. Sie sorgt für ein artgemäßes Zahlenverhältnis der Geschlechter.
5. Sie begrenzt die Geburtenzahl und verhindert Überbevölkerung.
6. Sie führt zu Matrifokalität und damit zu größtmöglicher Solidarität unter den Sippenmitgliedern.

Warum ist das so? Betrachten wir diese Funktionen im Einzelnen:

1. Genetische Vielfalt und Gesundheit der menschlichen Population.

Eine Frau, die ihre female choice frei auslebt, hat immer wieder neue Partner. Im Idealfall hat jedes ihrer Kinder einen anderen Vater. Die Chemotaxis selektiert dabei Männer, die besonders gut zu den Genen der Frau passen. Sie verhindert in der Regel, dass Geschwister miteinander Sex haben. Im seltenen Falle einer Geschwisterliebe sind aber unter dem Idealfall verschiedener Väter statt zwei nun drei verschiedene Genpools an der Entstehung eines Kindes beteiligt. Eine starke Durchmischung der Gene und die exogame Sexualität, also außerhalb der eigenen Gruppe, verhindern, dass zu häufig zwei Chromosomensätze aufeinander treffen, die die gleichen Schäden aufweisen und daher nicht mehr kompensiert werden könnten.

2. Anpassungsfähigkeit an extreme Umweltbedingungen.

Der Mensch ist an eine Außentemperatur von 25°C angepasst. Abweichende Temperaturen kann er mit Kleidung und einer wärmenden Feuerstelle kompensieren. Extreme Umweltbedingungen wie bei starker Sonneneinstrahlung oder in großer Höhe sind aber nicht mit technischen Hilfsmitteln zu besiegen. Dazu zwei Beispiele: Die Hautfarbe ist eine genetische Anpassung an die Sonneneinstrahlung, die sich nicht mehr ändert, wenn der Mensch in eine andere Region wandert. Bei den Tibetern, einem Volk das in Höhen von rund 4500 m lebt, konnte eine veränderte Blutzusammensetzung festgestellt werden, die auch erhalten blieb, wenn sie ins Tiefland dauerhaft wechselten. Damit war bewiesen, dass die Gene selbst verändert waren und es sich nicht um einen Trainingseffekt handelt. Inzwischen weiß man auch, dass das Gen bereits in der Altsteinzeit von den sibirischen Denisova-Menschen selektiert wurde, die Zeit, als die female choice noch frei gelebt wurde. Ohne die freie Wahl der Frauen hätte der Himalaya nie besiedelt werden können.

3. Verhinderung von Schwangerschaft in belastenden Fällen.

Bei starker Unterernährung und bestimmten Krankheiten aber auch bei extremer Arbeitsbelastung oder extremem Sport bleibt die Menstruation ganz aus und es kann keine Schwangerschaft zustande kommen. Sie würde die Frau lebensbedrohlich auszehren und auch für den Fötus stünden nicht genügend Nährstoffe zur Verfügung. Studien belegen, dass bei einem schlechten Ernährungszustand der Mutter die Wahrscheinlichkeit, ein Mädchen zu gebären steigt. Eine Ursache ist, dass männliche Föten die Schwangere mehr Energie kosten und daher häufiger von Fehlgeburten betroffen sind. Weitere Ursachen warten noch auf ihre Entdeckung. Eine empfängnisverhütende Wirkung hat aber vor allem das Stillen. Nicht das Stillen nach Zeitplan und auch nicht häufiges Stillen am Tage verhindert eine Schwangerschaft, sondern allein das Stillen rund um die Uhr, immer dann, wenn das Kind trinken möchte. Dies nützt rückkoppelnd Mutter und Kind, denn Mütter empfinden das Stillen, wenn es unbehindert stattfindet, als Steigerung des Wohlbefindens. Die Natur verlangt einer Frau also nicht ab, die Belastung mehrerer Kinder zur gleichen Zeit zu stemmen, und gestaltet ihre Arbeit zudem angenehm.

4. Artgemäßes Zahlenverhältnis der Geschlechter.

In patriarchalen Gesellschaften gilt ein Mädchen wenig bis nichts. Der Vater bevorzugt Söhne, und eine Frau, die keine Söhne bekommt, wird dafür schuldig gesprochen. Eine patriarchalisierte Mutter bekommt solange Kinder, bis mindestens ein Sohn, der Erbe, geboren ist. Das sorgt zunächst für viele Töchter. Umgekehrt wird sie nicht so viele Söhne bekommen, bis endlich eine Tochter dabei ist. Eine Sohn-reiche Mutter hat also durchschnittlich weniger Kinder. Mädchen werden schlechter ernährt und in vielen Gesellschaften werden weibliche Föten heute abgetrieben, so dass mehr Mädchen im Kindesalter oder vor ihrer Geburt sterben als Jungen. Die female choice kennt keine Geschlechterdiskriminierung, allerdings kommt es bei einer schlechten Ernährung der Mutter häufiger zu Fehlgeburten, wovon männliche Föten stärker betroffen sind (siehe Punkt 3). Zudem sind bis zum Erwachsenenalter Jungen gefährdeter als Mädchen, und zwar aufgrund ihrer Konstitution und aufgrund ihres Verhaltens. Es werden also in der Natur etwas mehr Mädchen als Jungen geboren, dies gleicht einerseits die (in der Natur allerdings geringe) Müttersterblichkeit aus, und ist andererseits in der Gruppe von Vorteil, weil Mädchen sich stärker an der Betreuung von Geschwistern beteiligen.

5. Begrenzung der Geburtenzahl, Verhinderung von Überbevölkerung.

Eine Frau, die ihre female choice lebt, hat nicht mehr Sex als eine patriarchale Frau, sondern weniger. Im patriarchalen Ehebett ist die Ehefrau den sexuellen Begierden ihres Mannes schutzlos ausgeliefert. Er glaubt, ein Recht auf Sex zu haben, sie glaubt, ihm dies geben zu müssen. Entsprechend schnell wird sie kurz aufeinanderfolgend und damit häufiger schwanger. „Ein Kind ist die beste Verhütung“, diesen Spruch kennen dagegen viele moderne Eltern, angeblich eine Folge von Überlastung und Müdigkeit. Unter natürlichen Bedingungen schläft der Vater gar nicht im Bett der Mutter, sondern dort liegt ihr Kind. Denn mit dem Ende der Verliebtheit nach ca. 3 Monaten geht auch das Bedürfnis der Frau mit diesem Mann zu schlafen stark zurück bzw. verschwindet ganz. Daher ist das Paar meist schon lange getrennt, wenn die Geburt stattfindet. Das Baby hat daher jederzeit Zugang zur Milchquelle, auch wenn die Mutter schläft. In dieser bis zu fünf Jahre dauernden Stillzeit bewirken die Still-Hormone, dass die Mutter nicht schwanger wird (siehe Punkt 3) und sie hat oft auch keinen neuen Liebhaber. Die menschliche Natur kennt zudem keinen Zwang zur Mutterschaft. Viele Frauen bleiben unter natürlichen Bedingungen kinderlos. Der female choice kommt aus diesen Gründen die Schlüsselstellung bei der Verhinderung von Überbevölkerung und deren Folgen zu.

6. Matrifokalität und Solidarität.

Der Mensch ist ein sehr soziales Wesen, das ohne eine Fokussierung auf die Frau mit ihrem Kind, also auf die Mutter, in der Wildnis nicht hätte überleben können. Die lange Baby- und Kleinkindphase machte es erforderlich, dass die Gruppe auf das Wohlergehen von Mutter und Kind ausgerichtet war. Mütter haben das Überleben der Gruppe gesichert, indem sie auch als Großmütter, Schwestern, Töchter und Cousinen der mütterlichen Linie zusammenhielten und sich gegenseitig über die lange Kleinkind- bzw. Stillzeit hinweg halfen. In der "Sippe" genannten Gruppe hielten auch die männlichen Mitglieder solidarisch zu ihnen und fühlten sich für die blutsverwandten Kinder mitverantwortlich, obwohl es nicht ihre leiblichen Kinder waren. Unter der female choice binden sich Frauen nicht lange an Männer und haben dafür wechselnde Liebhaber. Daher ist der biologische Vater eines Kindes unsicher oder unbekannt. Alle Kinder einer Mutter gelten als Vollgeschwister und sie führen sich auf sie allein zurück. Eine Mutter wird für ihre Schwangerschaft nicht im negativen Sinne verantwortlich gemacht, sondern es gilt als selbstverständlich, dass eine Frau Kinder bekommt. Diese Kinder sind in der Sippe hochwillkommen. Jedes Kind wird geachtet und geliebt, und von allen, auch den männlichen Mitgliedern betreut. Die Natur bürdet also die Belastung durch die Kinder nicht der Mutter alleine auf.
In matrifokalen Gemeinschaften sind alle Menschen über die Mutter blutsverwandt. Der biologische Vater hat keine Bedeutung, also können Väter keinen Einfluss auf ihre Kinder ausüben. Das Vaterrecht ist also kein Naturgesetz, sondern kulturell hergestellt. Das heißt aber nicht, dass die Männer generell keine Bedeutung hätten. Sippen sind egalitäre Gemeinschaften, denn die Männer haben hier ein anderes Selbstverständnis. Sie fühlen sich als Söhne, Brüder, Onkel und Cousins und kümmern sich um alle Kinder der Sippe, können aber keine Macht über sie ausüben. Auch die Mütter üben keine Macht aus, sondern haben aufgrund ihres Status als Urmütter der Sippe, der Bindung der Kinder an sie und ihres Wissens Autorität. Statt Hierarchien gibt es also Autoritäten, die aber auch männlich sein können. Die Männer verlassen die Sippe für Sex und die Jagd, und schließen sich mit Männern anderer Sippen zusammen, um den Jagderfolg zu erhöhen. Männer haben daher Übung in friedlichen Außenkontakten, eine selektierte Eigenschaft, die von der Sippe entsprechend genutzt wurde, ohne dass die Männer daraus Macht bezogen hätten. Die freundschaftlichen Außenkontakte machten Exogamie erst möglich. Denn das Misstrauen, mit dem Fremden instinktiv begegnet wurde und bis heute wird, war ein unbewusster Schutz der female choice. Ein Mann, der viele männliche Freunde in anderen Sippen hatte, galt als dort vertrauenswürdig, und hatte auch häufiger Gelegenheit, eine Frau kennenzulernen. Über die Großtierjagd versuchten Männer diese Frauen zu beeindrucken, sie spielt daher wahrscheinlich vor allem eine Rolle bei der female choice. Aber die Sippe war nicht vom Jagderfolg der Männer abhängig, schon gar nicht vom Jagderfolg sippenfremder Männer. Sex wurde also nicht gegen Fleisch getauscht, wie es gerne phantasiert wird. Die Ernährung bestand zu 75% aus pflanzlicher, von Frauen gesammelter Nahrung. Tierisches Eiweiß stand auch über von Frauen gesammelte oder gefangene Kleintiere und Eier zur Verfügung, aber nur selten gelang den Männern tatsächlich die Jagd auf ein Großtier.
Die Kooperation in der Sippe bedeutete, dass Mütter immer auch Zeit für anderes hatten. So gilt heute als gesichert, dass sie die wesentlichen Erfindungen der Menschheit machten, die den Menschen von der übrigen Fauna unterscheiden:
Die Tragevorrichtung für das Baby, Tragebeutel und Sammeltasche in einem, mit dem die Mutter die Hände frei bekam, die Herstellung von Kleidung aus Pflanzenfasern und Tierfellen, das Zelt, die Flechtkunst, die Fischreuse, die Weberei, das Kochen, die Töpferei und die bildende Kunst.
Frauen stellten die Werkzeuge ihrer Technologien selbst her. Als Kennerinnen der Pflanzenwelt und als Hebammen erfanden sie die Medizin und durch Mondbeobachtung den Menstruationskalender. Als Heilerinnen und Schamaninnen waren sie spirituelle Autoritäten. Sie stellten ihre Produkte anderen zur Verfügung: wo ein Problem war, halfen sie selbstlos. Zu Beginn der Jungsteinzeit erfanden sie die Landwirtschaft in Hack- bzw. Gartenbau und zogen Tierkinder auf, die sie in der Wildnis gefunden hatten. Sie waren am Hausbau beteiligt, indem sie Flechtwände herstellten, mit Lehm abdichteten und Dächer mit ihren geflochtenen Matten oder mit Stroh abdeckten.
Die Menschheit wanderte, so geht es aus Berechnungen hervor, etwa 10 km pro Generation voran. Diese Wanderung, der Auszug aus Afrika, geht auf die Frauen zurück, wie genetische Untersuchungen es aufdeckten. Nicht Verheiratung bzw. Patrilokalität waren dafür der Grund, sondern ihre Neugier, die Notwendigkeit der Suche nach neuen Sammelgründen, bei denen sie nebenbei auch Gelegenheit hatten, neuen Männern zu begegnen. Die Männer, die übers Jahr den festen Pfaden der Tiere folgten, kehrten dagegen stets zum Ursprung zurück. Die Suche nach neuen Jagdgründen wurde erst notwendig, wenn sich die Sippe zu weit von den alten entfernt hatte, bzw. wenn sich die naturräumlichen Bedingungen änderten. Männer wie Frauen beobachteten auch die Sterne, um sich orientieren zu können, und aus Neugier. Die Männer entwickelten und perfektionierten schon früh ihre Jagdwaffen, stellten Werkzeuge zu deren Herstellung und zur Zerkleinerung der Jagdbeute her und erfanden zum Fischen auch das Boot, für das sie Bäume fällten. Sie erfanden wahrscheinlich auch die ersten Musikinstrumente, Flöten aus Vogelknochen. Wahrscheinlich tauschten Männer auch schon früh ihre Produkte. In der Jungsteinzeit waren sie am Hausbau beteiligt, sie errichteten die Pfostenwerke der Häuser aus dicken Baumstämmen. Das Hüten der wenigen Rinder gehörte zu ihren Aufgaben. Fern der Sippe wandten sie das als Kind erlernte Wissen an, um in der Wildnis wenige Tage überleben zu können, dazu gehörte das Sammeln und die Erstversorgung von Wunden.
Die Arbeitsteilung der Geschlechter war bald ausgeprägt, aber wenige Frauen übten auch die Großwildjagd, während manche Männer z.B. auch Kleidung herstellten. Trotz der Arbeitsteilung gab es keinen Besitz, allen gehörte alles, weil alle alles zum Überleben brauchten. Die matrilineare Kooperation von Frauen und Männern ist in der Tierwelt einzigartig und macht den Erfolg der Menschheit aus.

Menschenrecht female choice.

Die Zusammenarbeit beider Geschlechter in der Sippe, in der die Mütter und Kinder stets im Zentrum der Fürsorge standen, ist das Erfolgsgeheimnis der menschlichen Evolution, unseres Menschseins. Die female choice als Basis dieser Kooperation kommt also nicht der Frau allein zugute, sondern allen Menschen, denn der Mann kommt aus der Frau und nicht umgekehrt. Die female choice dient der Natur und hilft bei der Anpassung an globale Veränderungen, ohne dass der Mensch zu sehr von Technik abhängig würde. Die female choice ist nicht nur ein Frauenrecht, sondern ein echtes Menschenrecht, und die Männer täten auch im eigenen Interesse gut daran, sie zu achten.

Patriarchat, der fatale Irrtum.

Die ersten Patriarchen überhaupt, nomadische Viehzüchter der eurasischen Steppe und der vorderasiatischen Bergwelten, glaubten dagegen erkannt zu haben, dass der Stier die Kuh, der Hengst die Stute oder der Widder das Schaf „befruchtet“, was ja „mit Frucht versehen“ bedeutet, und verrannten sich in der Annahme, dass die Frau nur das Gefäß des Samens sei, gewissermaßen ein Obstkorb. Männliche Überheblichkeit wurzelt auf diesem Irrtum. Auf dieser Basis fordert der Patriarch seit 8000 Jahren das Vaterrecht ein, ein für die Evolution verschwindend kleiner Zeitraum.
Goethe schrieb im "Werther": "So sehnt sich der unruhigste Vagabund zuletzt wieder nach seinem Vaterlande und findet in seiner Hütte, an der Brust seiner Gattin, in dem Kreise seiner Kinder, in den Geschäften zu ihrer Erhaltung die Wonne, die er in der weiten Welt vergebens suchte. Wenn ich des Morgens mit Sonnenaufgange hinausgehe nach meinem Wahlheim und dort im Wirtsgarten mir meine Zuckererbsen selbst pflücke, mich hinsetze, sie abfädne und dazwischen in meinem Homer lese; wenn ich in der kleinen Küche mir einen Topf wähle, mir Butter aussteche, Schoten ans Feuer stelle, zudecke und mich dazusetze, sie manchmal umzuschütteln: da fühl' ich so lebhaft, wie die übermütigen Freier der Penelope Ochsen und Schweine schlachten, zerlegen und braten. Es ist nichts, das mich so mit einer stillen, wahren Empfindung ausfüllte als die Züge patriarchalischen Lebens, die ich, Gott sei Dank, ohne Affektation in meine Lebensart verweben kann." Goethe schrieb diese Sätze, die mit sexuellen Anspielungen gespickt sind und ein Nomadenleben zeichnen, ohne über die Entstehung des Patriarchats im Bilde gewesen zu sein!
Die Vorstellung von der Frau als Gefäß hielt mit den erobernden, nomadischen Indoeuropäern vor grob 6000 Jahren auch im ackerbäuerlichen Leben Einzug, wo die Ackerfurche mit den weiblichen Geschlechtsorganen gleichgesetzt wurde. Der Sämann wurde dort der Herr über das Leben der Pflanzen, wo ursprünglich die Frauen den Ackerbau ersannen und die Felder bestellten. Dabei ist der vermeintliche Samen im biologischen Sinne lediglich Pollen. Seine Unfähigkeit zu gebären, führte dem Patriarchen jedoch seine Abhängigkeit vor Augen. Der daraus resultierende Gebärneid wurde theologisch verarbeitet, d.h. die Götter wurden nun schwanger und gebaren in Ermangelung der weiblichen Organe Kinder aus verschiedenen Körperteilen. Der darauf einsetzende Stillneid wurde mit dem Konzept des Wettergottes kompensiert, dessen Ejakulat mit der Milch gleichgesetzt wurde und der als Ursprung des fruchtbaren Regens ansehen wurde. Jetzt fühlte sich der Patriarch unsterblich und allmächtig, denn als Wettergott konnte er auch mit Sintfluten alles wieder zerstören. Nun begann der Mann auch den Menschen nach seinen Vorstellungen zu züchten. Dabei spielen bis heute die primären Geschlechtsorgane der Frau eine Rolle, aber auch ihre Intelligenz, die nicht zu hoch sein darf, sowie ihre Herkunft und ihre Mitgift. Schönheitsideale wurden entwickelt und selektiert. Daneben begann auch die Frau, den besonders kühnen und starken Ernährer zu bevorzugen, der zudem noch gewaltbereit war. "Er formte den Menschen nach seinem Bilde", so steht es sinngemäß im Alten Testament.
Heute wissen wir, dass die Vorstellung von der Frau als Gefäß nicht nur falsch ist, sondern dass wir mehr Mutter als Vater sind:

Die female choice als Erzfeind des Patriarchats.

Die erste Maßnahme des Patriarchats war die Ausschaltung der female choice, salopp gesagt brachte es die weibliche Sexualität unter Kontrolle. Der Patriarch stellt mit der Ehe die male choice her, die es in der Natur nicht gibt. Zu Beginn des Patriarchats, in der mittleren Jungsteinzeit, war Frauenraub die einzige Möglichkeit, eine Frau in die Ehe zu zwingen. Die Massaker von Talheim, Asparn Schletz und Frankfurt legen davon ein archäologisches Zeugnis ab. Das Patriarchat begann gewaltsam. Frauenraub ist auch in historischer Zeit und in der Gegenwart (Boko Haram, IS) belegt. Die Ehe im großflächig durchgesetzten Patriarchat wird manchmal durch Brautwerbung gestiftet, wobei die Frau ein Vetorecht besitzt. Diese rudimentäre Form der female choice bleibt der Frau bis zur Ehe, danach ist sie dem Ehemann verpflichtet. Doch dies ist die Ausnahme. Die Ehestiftung durch die Eltern findet oft schon zu einer Zeit statt, wo das Mädchen noch nicht weiß, was das für sie bedeutet. Auch die Verheiratung einer erwachsenen Tochter geschieht nie ohne Druck und meist sogar gegen ihren ausdrücklichen Willen. Die Liebesheirat als relativ junge Erfindung folgt der romantischen Vorstellung, einem Zurück zur Natur. Aber auch sie wird per Gesetz zementiert. Goethes Werther verklärt die patriarchalische Zeit der Antike. Dabei befindet er sich immer noch mittendrin im Patriarchat.
Statt mit einer Sippe, haben wir es im Patriarchat mit der Familie zu tun, deren Oberhaupt der Vater ist, und in Abwesenheit der Sohn. Die Familie versteht sich patrilinear und lebt daher auch patrilokal zusammen. Die Frauen befinden sich also in einem fremden Umfeld und sind fremden Männern und Frauen ausgeliefert, welche sie nicht nur befehligen, sondern auch Gewalt gegen sie ausüben. Junge Mütter arbeiten daher am meisten, in einer Zeit, wo ihre Kinder sie am dringendsten bräuchten. Da Frauen in der Altsteinzeit keine Solidarität mit fremden Frauen geübt haben, dieses Verhalten also nur rudimentär selektiert wurde, ist jede fern von ihrer Familie lebende Frau und Mutter bis heute überfordert. Eine Frau sucht sich Freundinnen, die ein Schwester-Ersatz sind, aber oft münden auch Freundschaften im Zickenkrieg. Die Überforderung äußert sich auch in einem schlechten Gewissen, wenn eine Mutter ihr Kind in die Kita bringt. Die Trennung der Mutter vom Kinde ist vom Patriarchat seit jeher gewollt, weil traumatisierte Kinder sich leichter einem Anführer unterordnen. Um die Trennung zu „erleichtern“, wird der Mutter das Muttersein unerträglich gemacht. Viele Frauen halten Muttersein heute für eine Bürde, die Männer dagegen beneiden sie um ihre Fähigkeit, und der Staat setzt alles daran, die Mutter zu eliminieren.

Zwischenmenschliche Auswirkungen der Unterdrückung der female choice.

Die sexuelle Unterdrückung ist kein naturgegebenes Verhalten, wäre dies der Fall, gäbe es die vielen Probleme nicht, die damit verbunden sind. Es wurde auch keine entsprechende verhaltensbiologische Anpassung daran selektiert, und auch der weibliche Körper ist nicht an widerwilligen Sex angepasst. Das heißt, dass das 8000jährige Patriarchat so jung ist, dass die Evolution noch nicht darauf reagieren konnte. Sämtliche Zivilisationskrankheiten, Epidemien sowie psychologische Probleme stehen daher mit dem Patriarchat in Verbindung.
Am Anfang steht die Gewalt mit Entführung. Mit der Überwachung der Jungfräulichkeit und der vielfach tödlichen Sanktionierung ihres Verlustes vor der Ehe, mit Genitalverstümmelung, Prügeln, Psychoterror, Vergewaltigungen und Erpressung bzw. Androhung der Wegnahme der Kinder wird der Zustand aufrecht erhalten. Männer opfern, töten oder missbrauchen ihre Kinder. Die Religionen halten die Heiligen Bücher bereit, in denen die frauenfeindlichen Sitten wie die Züchtigung, das Menstruationstabu oder die Verschleierung vorgeschrieben sind. Die Gewalt steht auch am Ende. Die Last der Kindererziehung liegt in der Familie auf zwei eigentlich fremden Personen, wobei die Mutter die Hauptlast trägt. Konkurrenzkampf und Leistungsdruck terrorisieren jede Familie und entsprechend gering ist die innerfamiliäre Solidarität mit allen psychischen Folgen. Mann und Frau geben sich für die insgesamt unbefriedigende und prekäre Situation meist gegenseitig die Schuld. Und der Mann beschuldigt die Frau, keine Lust mehr zu haben. Die Probleme werden wieder mit Gewalt "gelöst", gegen die Frau, weit seltener gegen den Mann. Die Prostitution lenkt das Problem nur um. Frauen werden krank und/oder entziehen sich mit Verweigerung, ständigem Streit mit der Familie, Flucht, Selbstmord oder Selbstverteidigung, die aber häufig als Mord abgeurteilt wird, und sie töten ihre Kinder, gezwungenermaßen oder aus Verzweiflung.
Die Frauen dieser Welt sind Kindeskinder von Entführungsopfern des Patriarchats. Als solche sind sie von einem kollektiven Stockholm-Syndrom befallen. Dies erklärt auch die Mitarbeit der Frauen am patriarchalen System und die Verteidigung patriarchaler Werte durch Frauen, wie wir sie z.B. bei "petit_fleur" gesehen haben.

Gesetzgebung.

In vielen Gesellschaften ist es der Frau bis heute nicht erlaubt, sich scheiden zu lassen. Viele Frauen werden hingerichtet, weil sie vergewaltigt wurden oder fremdgegangen sind. Die Vergewaltigung in der Ehe gilt dort nicht als Verbrechen, Sex in der Ehe ist Pflicht. Auch in Deutschland gilt der Sex in der Ehe als Kriterium für eine intakte Ehe, er ist eine "rechtliche Erwartung", wenngleich er nicht mehr einklagbar ist, weil die Vergewaltigung in der Ehe unter Strafe gestellt wurde. Die female choice ist auch nicht in der UN-Menschenrechtscarta geschützt. Dies wundert nicht, wird dieses Papier doch von Patriarchen abgestimmt. Ein Menschenrecht wird erst UN-Recht, wenn auch die Männer für sich selbst darin einen Vorteil erkennen. Es sind also die Anthropologen gefragt, dieses Wissen entsprechend zu vermitteln. Eine Aufnahme in die Lehrpläne ist längst überfällig. Die mit der Friedensnobelpreisträgerin Malala Yousafzai berühmt gewordene Forderung nach dem Schulrecht für Mädchen gehört dazu.


Schluss.

Wir ahnen jetzt, dass unserem Werther nicht mehr Patriarchat, sondern KEIN Patriarchat geholfen und das Leben gerettet hätte. Von ihren urologischen Problemen befreit wären auch zahllose Frauen, von denen die Pharmaindustrie so prächtig lebt. Dies sind nur Beispiele; die zahllosen, schweren Probleme der Menschheit sind auf das Patriarchat zurückzuführen. Mit diesem Wissen steht die Lösung schon im Raum.

G. U. (Braunschweig, Oktober 2015)

Dank.

Danke an Anne Busch für die kundige Durchsicht.

Literatur.

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