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Rosenspur. Selten habe ich ein schöneres Wort gelesen. Ein wunderschöner Text. Es geht um eine Tochter - keine, wie ich es bin
- keine gewöhnliche, sondern eine heilige, engelgleiche Tochter, die
sich uns selber gibt. Die Freude. Sie bringt uns zurück, was wir schon
verloren glaubten. Die Erinnerung an eine glückliche Zeit in Liebe.
Wunderschön ! Besonders in Verbindung mit der Musik. Inzwischen wurde das Autograph der 9. Sinfonie als erstes Musikstück überhaupt zum Weltkulturerbe erklärt! |
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| Aber...
das war aus dem Bauch heraus, hier jedoch geht es um den |
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| Kopf. | Und dann stolpere ich. Nicht überRosen, sondern über Widersprüche, die merkwürdiger nicht sein können! Aber warum ? |
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musik
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Schiller war sicher ein gläubiger Mann, im christlichen Sinne, schließlich spricht der
letzte Satz für sich. Doch huldigt er einem 'Götterfunken' und betritt den
heidnischen Tempel einer weiblichen Gottheit, einer Göttin! Der Cherub allein
folgt noch der Mode, er tritt vor Gott, und weiß dort offenbar nicht, wie es
weitergeht. Die Anderen feiern ein fröhliches Fest im Tempel, trinken und
lieben. Aber Moment ! Die Frauen sind offenbar zuhause geblieben, alle Menschen
im Tempel sind Brüder, also Männer! Oder sind Frauen Wesen ohne Freude? Oder
sind sie am Ende gar keine Menschen? Ist dieser Tempel vielleicht sogar eine
Szenekneipe für bisexuelle Männer? Wäre ja nicht schlimm, aber sie könnten
sich fairerweise ruhig outen ! |
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Zudem vermeidet Schiller, die Göttin beim Namen zu nennen:
Die Brüste der Natur, das Elysium, das sind nur Hinweise. Das
Elysium, griech. elysion, war das "Gefilde der
Hinkunft", eine Insel der Seligen und Heroen, im äußersten
Westen der Erde gelegen, der Ort, wo die Sonne untergeht. Später war es eine "Abteilung" der Unterwelt. Dort
befand sich aber kein Tempel, und einfach so hingehen war auch nicht
möglich, denn immerhin war das Elysium nur bestimmten Gestorbenen
vorbehalten. Oder hielt sich Schiller schon zu Lebzeiten für einen Helden? Die GriechInnen haben das Elysium von den ÄgypterInnen
abgeschaut. Bei ihnen hieß es das "Binsengefilde" und war das
Reich des Osiris, dem Bruder der Isis, welche ihn, nachdem er im Nil
ertrunken war, zum Leben erweckte, woraufhin sie den Horus gebar. Aber
das ist eine andere Geschichte... |
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Oder meint Schiller das antike Eleusis
in Griechenland, wo die Göttin Demeter und ihre Tochter Persephone bei
den Eleusinischen Mysterien kultisch verehrt wurden? Ein Geheimkult, in dem die Wiedergeburt der Persephone aus der Unterwelt im Tempel der Demeter durch Waschungen vollzogen und gefeiert wurde. - Ist die Tochter aus Elysium mit Persephone identisch? Doch Persephone bedeutet 'Zerstörerin'. Sie ist die dreifaltige Göttin, in Gestalt der 'Alten'. Sie ist also keine Jung-Frau, auch wenn das Wort Tochter das suggeriert. Das Elysium war das 'Paradies', im Gegensatz zum Tartarus, der 'Hölle'. Persephone, die Göttin der Unterwelt, herrschte über beide. Sie ist gut und böse zugleich. Sie nimmt jede und jeden an. Ganz wie es auch der Text sagt: Alle Guten, alle Bösen folgen ihrer Rosenspur. Der Text wird diesem Doppelaspekt aber nicht gerecht, will er offensichtlich auch nicht. Es geht nur um die Freude. Aber wird Schiller da nicht inkonsequent, wo er doch fast anklagend feststellt, dass die Mode streng geteilt hat? Jedenfalls bleibt er in der Tradition antiker, patriarchaler Mythologie, die die Grosse Göttin der Urgeschichte (identisch mit der Natur) erst zwei- dann dreigeteilt hat, sogar multipliziert hat, um Göttinnen schließlich zu Ehefrauen oberster Götter zu machen. Und jetzt ist der christliche Gott Mode. Schiller geht sogar noch weiter - teilt auch die Menschen: in Männer und Frauen, in Freudige und Freudlose. Da kann auch der Zauber der Natur nichts mehr binden. | ||||
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| © 2000-2001 catal.de | Fazit: Der Versuch, das Elysium zu thematisieren, ist ziemlich in die Binsen gegangen. Schiller hat da einiges durcheinandergebracht und das Thema leider verfehlt, Beethoven allerdings nicht! | ||||