Home : sitemap
Rapunzel
Licht und Schatten
Matriarchats- und
Urgeschichtsforschung
Maerchenforschung
~ Es war einmal
~ in den alten Zeiten,
~ als das Wünschen noch geholfen hat...
 
©  und Design catal.de
 
  Märchen - nur etwas für Kinder?

Das Interesse an Märchen kann zu einem bestimmten Alter erlöschen oder aber einen völlig neuen Charakter bekommen.
Ich las in der ausgehenden Pubertät die ersten Bücher über Märchenforschung aus tiefenpsychologischer Sicht. Dabei lernte ich, welche Bedeutung Märchen für die Entwicklung eines Kindes haben, und dass die Vorliebe für ein bestimmtes Märchen viel über ein Kind und dessen Familie aussagt.
Aber eine Antwort auf meine existenziellen Fragen gaben sie mir noch nicht. Trotzdem war meine Begeisterung für Märchen ungebremst und ich fragte mich, was dahinter steckt. Die Antwort lag in den Mythen...
 



Ursprünglich wurden Märchen von Erwachsenen für Erwachsene erzählt, es heißt - in den Spinnstuben. Aber warum werden sie heute dann eher den Kindern erzählt? Und warum verstehen Erwachsene die Botschaft dieser geheimnisvollen Berichte nicht mehr?

Um Antworten auf diese Fragen zu bekommen, musst Du Dir zu aller erst bewusst machen, dass Märchen Mythen sind. Sie erzählen in verschlüsselter Form von einer uralten Zeit, und, obwohl sie von jeder Generation verändert weitergegeben wurden, hat sich in ihnen ein unterbewusstes Weltbild bis heute erhalten. Ich glaube, es ist das Weltbild, das am ursprünglichsten ist und am ehesten der menschlichen Natur entspricht. Es ist frei von komplizierten Gedankengebäuden und es folgt auch dem Rhythmus der äußeren Natur. Es ist die, den Menschen maximal mögliche Freiheit. Märchen sind Berichte aus einer glücklichen Zeit.

Mythen sind religiöse Texte. Doch was haben unsere Märchen mit der Religion zu tun, die in Europa vorherrscht? Nannten die Zwerge Schneewittchens Stiefmutter nicht eine 'gottlose Königin'? Betet Gretel nicht das Stossgebet: 'Ach lieber Gott, hätten uns doch die wilden Tiere im Walde gefressen.' Warum erzählt dann der/die Pfarrer/in in der Kirche keine Märchen --- oder doch?

Solche Textstellen sind natürlich nachträgliche Hinzufügungen der Gebrüder Grimm. Sie haben sowieso die Märchen in einer Weise geändert, dass sie Kindern 'vorlesbar' werden sollten. So wird unseren Kindern z.B. nicht verraten, dass Rapunzel im Turm geschwängert wurde. Aber plötzlich bekommt sie, einfach so, Zwillinge! Genau wie Maria, die unbefleckt-empfangen-Habende. Doch der Urtext enthält diese Information noch, da steht:

 

'So lebten sie lustig und in Freuden geraume Zeit, und die Fee kam nicht dahinter, bis eines Tages das Rapunzel anfing und zu ihr sagte: 'Sag sie mir doch Frau Gotel, meine Kleiderchen werden mir so eng und wollen nicht mehr passen.'

  Das RAPUNZEL-Spezial

Holzpuzzle

...Da bekam ich dieses Holz-Puzzle zum Geburtstag geschenkt. Es hat schon ein bisschen Patina angesetzt, aber ich liebe es noch heute...

...Seitdem träume ich davon, einmal ein Schloss mit Turmzimmer zu besitzen. Darin muss ein alter, schöner Schrank stehen, in dem eine Tür zum Geheimgang versteckt ist.
...und... ich hätte gern ein Spinnrad...

Und seitdem liebe ich Märchen, doch heute anders als früher. Meine Lieblingsmärchen sind aber immer noch die klassischen Zaubermärchen:
Hänsel und Gretel, Dornröschen und Schneewittchen.


 
 


Wenn Du genau gelesen hast, ist Dir sicher der Name Frau Gotel aufgefallen. Und Frau Holle kennst Du auch. Frau Gotel regiert hoch oben, im Märchen ist es ein Turm; Frau Holle tief unten: die Marie steigt zu ihr hinab durch den Brunnen, und kommt, oh Wunder, oben auf einer Blumenwiese an.

Die Orte des Geschehens sind genauso wenig ein Zufall, wie die Namensähnlichkeiten Gotel/Gott und Holle/Hölle. Der christliche Gott ist aber ein Mann: Gottvater. Er hat einen Sohn und einen heiligen Geist, was auch immer das ist. Es hat sich also irgendwann eine Wende vollzogen, die aus einer Göttin einen Gott machte und aus Töchtern Söhne. Doch die Geschichten als solche leben weiter.

Unsere Märchen sind renitent, sie erzählen unerhörte Dinge. Deshalb mussten sie als Kindermärchen verharmlost werden. Einerseits, um nicht mehr als Mythen erkannt zu werden, damit sie der neuen Religion, der neuen Macht, mit ihren asiatischen Mythen keine Konkurrenz mehr machten. Andererseits war die Verschlüsselung ein Schutz der alten Natur-Religion, die im Untergrund noch lange fortlebte...

...und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie noch heute:

Aus dem Kind, das ich mal war, wurde eine kritisch denkende Frau. Das Wort Hexe bekam eine völlig neue Bedeutung und die Beschäftigung mit Mythen gelangte auf diese neue Ebene, die es mir ermöglichte den positiven, weiblichen Anteil herauszufiltern.



Kybele

» Dies ist nicht Frau Holle, sondern die Große Göttin von Çatal in einer späteren Interpretation als Kybele, hier eine römische Ton-Statuette.



Vielleicht hast Du schon in meiner Homepage den Abschnitt 'Die Spuren der Grossen Göttin von Çatal' gelesen. Dann hast Du einen ersten Eindruck gewinnen können, wie Mythen Einfluss auf das Denken und die Kultur nehmen.

 
   


Sonja Rüttner-Cova: Frau Holle. Die Gestürzte Göttin.  München/Basel 1998
Gebraucht bestellen bei amazon.de

Ingrid Riedel: Die weise Frau in uralt-neuen Erfahrungen. München 1995
Gebraucht bestellen bei amazon.de

Maria Tatar: Von Blaubärten und Rotkäppchen. Grimms grimmige Märchen psychoanalytisch gedeutet. München 1995
Gebraucht bestellen bei amazon.de

Carl-Heinz Mallet:

- Kopf ab! Über die Faszination der Gewalt im Märchen. München 1990
Gebraucht bestellen bei amazon.de

- Kennen Sie Kinder? Wie Kinder denken, handeln, fühlen, aufgezeigt an vier Grimmschen Märchen. München 1985
Gebraucht bestellen bei amazon.de

- ...und rissen der schönen Jungfrau die Kleider vom Leib.  Männlichkeitsmodelle im Märchen. Solothurn/Düsseldorf 1995
Gebraucht bestellen bei amazon.de

Bruno Bettelheim: Kinder brauchen Märchen. München 1982
Bestellen bei Libri.de

URTEXTE: Heinz Rölleke, Hrsg.: Die wahren Märchen der Gebrüder Grimm. Frankfurt/M. 1989
Vergriffen. Fernleihe empfohlen.

Wilhelm Laiblin, Hrsg.: Märchenforschung und Tiefenpsychologie. Darmstadt 1995
Bestellen bei Libri.de

Erich Fromm: Märchen, Mythen, Träume. Reinbek 1981
Bestellen bei Libri.de

Eugen Drewermann:

- Rapunzel, Rapunzel, laß dein Haar herunter. Grimms
Märchen tiefenpsychologisch gedeutet. München 1992
Bestellen bei Libri.de

- Schwesterlein, lieb Schwesterlein, laß mich herein. München 1992
Bestellen bei Libri.de

Sibylle Birkhäuser-Oeri: Die Mutter im Märchen. Waiblingen-Hohenacker 1993
Gebraucht bestellen bei amazon.de

Charles Perrault: Sämtliche Märchen. Reclam: Stuttgart 1986
Bestellen bei Libri.de

Hans Wuessing: Märchen aus Babylon. Mythen und Sagen des Zweistromlandes Frankfurt/M./Leipzig 1994
Gebraucht bestellen bei amazon.de

Elsa Sophia von Kamphoevener: Am alten Brunnen des Bedesten. Reinbek 1993
Gebraucht bestellen bei amazon.de

Johannes Merkel, Hrsg. : Das Mädchen als König. Orientalische Frauenmärchen. München 1994
Vergriffen, Fernleihe empfohlen.

Michael Kaul: Das Etana-Epos - Ein Mythos von der Himmelfahrt des Königs
von Ki¹. Göttinger Arbeitshefte zur altorientalischen
Literatur. Goettingen 2000.
Bestellen bei der Uni Göttingen

...sowie natürlich Grimms Märchen und viele andere.

 


Literatur

Hier findest Du die Bücher, die ich zum Thema gelesen habe und als Einstieg in Mythen- und Märchenforschung empfehlen kann.









TIPP: Wenn Du Dich für Märchenforschung, aber auch für Archäologie interessierst, solltest Du unbedingt Die Wahrheit über Hänsel und Gretel von Hans Traxler lesen.

"Der Dokumentarbericht über die Ausgrabung des Hexenhauses auf dem Engelesberg im Spessart"

(Originalausgabe 1963, jetzt bei rororo)

*ggg*
  Home Rapunzel Licht und Schatten Matriarchats- und Urgeschichtsforschung