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Rapunzels Schwangerschaft |
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Ursprünge: Das Rapunzel-Motiv ist in ganz Europa verbreitet und geht auf Volksüberlieferungen zurück. Verschiedene Elemente der Geschichte sind dem griechischen Mythos von Demeter und Kore entliehen: "Der klassische Mythos von Kore-Persephone und Demeter wurde in ein Märchen über die heilige Demetra umgewandelt. Die Tochter der (Heiligen) Kore wurde von einem "bösen türkischen Zauberer" (Hades) geraubt und in einen Turm gesperrt. Ein junger Held rettete sie, kam aber dabei auf grauenvolle Weise um. Der Bösewicht zerhackte ihn und ließ die Leichenteile an der Mauer des Turms "zwischen Himmel und Erde" herunterhängen. Daraufhin erschien die heilige Demetra, geleitet von einem Storch (in der Antike ihr Totemvogel, der die Geburt symbolisiert), setzte die Leichenteile des Retters wieder zusammen und gab ihm sein Leben zurück." (Barbara Walker). Andere Elemente sind verwandt mit dem altbabylonischen Etana-Mythos: Das Kraut mit der Macht über die Fruchtbarkeit und der Turm, der einem Baume gleich Himmel und Erde verbindet. Hoch oben wohnt die Göttin selbst. Drei literarische Quellen jedoch, die deshalb nicht wirklich als Urtext zu verstehen sind, waren Grundlage für die Grimmsche Fassung. Die verkürzte Bearbeitung Jacob Grimms einer Erzählung von Friedrich Schultz (1790), die ihrerseits auf die Feengeschichte "Persinette" von 1698, der Hofdame Mademoiselle de la Force [1650-1724] zurückgeht, die behauptete, die Geschichte erfunden zu haben. Die Märchensammlung des Giambattista Basile [1575-1632] "Das Pentameron" (1634) enthält bereits die Geschichte, in der das Mädchen Petrosinella heißt. Die brisante Textstelle: Rapunzels Schwangerschaft So lebten sie lustig und in Freuden geraume Zeit, und die Fee kam nicht dahinter, bis eines Tages das Rapunzel anfing und zu ihr sagte: 'Sag sie mir doch Frau Gotel, meine Kleiderchen werden mir so eng und wollen nicht mehr passen.' Wilhelm Grimm hat diese erste Version aus den "Kinder- und Hausmärchen" in späteren Auflagen vielfach stilistisch ausgeschmückt und nach einem öffentlichen Tadel bereits 1819 den Hinweis auf Rapunzels Schwangerschaft getilgt. Schon Friedrich Rühs stöhnte: "Welche rechtschaffene Mutter oder Aufseherin würde ohne Erröten das Märchen von der Rapunzel einer schuldlosen Tochter erzählen können?" Mademoiselle De la Force hingegen beschreibt den natürlichsten aller Vorgänge nüchtern und Rapunzel bleibt trotz ihrer sexuellen Erfahrungen "unschuldig": "Der Prinz war glücklich, und Persinette gewann ihn immer lieber; sie trafen sich jeden Tag, und bald fand sie heraus, dass sie schwanger war. Dieser ungewohnte Zustand beunruhigte sie sehr, der Prinz wusste davon und wollte ihr nicht erklären, was passiert war, aus Angst, er mache sie unglücklich." (Maria Tatar) Giambattista Basiles ungehemmte, erotische Erzählung unterscheidet sich scharf von Wilhelm Grimms ernsthafter Behandlung der Episode. Sie hielten leckere" Mahlzeit mit der Petersilientunke der Liebe". Eine alte Klatschbase (vgl. auch unten) aus der Umgebung warnt die Hexe schon bald, auf der Hut zu sein, denn Petrosinella habe sich mit einem Jüngling eingelassen. Sie argwöhnt, sie wollten schon bald gemeinsam das Haus räumen. (Maria Tatar) |
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